Die Guten Alten Zeiten! Manchmal genügt eine bestimmte Musik, bestimmte Worte oder Bilder, um eine vage Erinnerung und eine gewisse Stimmung zu erzeugen, die das Gefühl der Gute Alten Zeit noch immer in sich trägt. Nostalgie!
Je nachdem wann jemand geboren ist, verbinden sich unterschiedliche Dinge mit diesem nostalgischen Gefühl. Für manche sind es die 80er Jahre und ihr seltsamer Frisuren und Mode-Geschmack, die dieses Gefühl erzeugen. Oder die 90er Jahre, Löcher-Jeans und selbstgemachte Mixtapes auf TDK-Kassetten, die man im Walkman hörte. Oder bestimmte Sonnenuntergänge, deren Stimmung und Kontext sich nach Jahrzehnten noch abrufen lassen.
Die Werbung versucht diesen Effekt für sich zu nutzen, mit unterschiedlichem Erfolg. Im Kern ist das nostalgische Gefühl so faszinierend, weil es uns mit unserer Vergangenheit verbindet, und zwar auf eine emotionale und leicht wehmütige Art und Weise. Nostalgie funktioniert dann gut, wenn sie mit einem Teil der eigenen Biografie eine Verbindung eingeht und die einzigartige Mischung aus Wehmut, Verklärung und Cringe erzeugt, die viele Menschen lieben.
Die Gegenwart schneidet dabei manchmal im Vergleich zur „Guten Alten Zeit“ eher schlecht ab. In den letzten 3 Jahrzehnten haben sich viele Dinge geändert, für jeden Einzelnen und Gesamt Gesellschaftlich. Da ist es kein Wunder, wenn die Vergangenheit als Fixpunkt herhalten muss, an dem wir uns festhalten können.
Diese Dynamik ist allerdings besorgniserregend nahe an einer depressiven Episode. Menschen die an Depression erkrankt sind, neigen dazu mit den Gedanken in der Guten Alten Zeit zu bleiben, und verzweifeln an der Unmöglichkeit, die verklärte Vergangenheit wieder aufleben zu lassen.
Damit Nostalgie nicht depressiv wird, gibt es eine einfache Strategie: sich emotional mit der Vergangenheit verbinden, und dann damit wieder mit frischem Blick in die Gegenwart zurückkehren. „Back to the Future“ sozusagen.
Der Blick zurück kann helfen, sich mit wichtigen Erinnerungen wieder zu verbinden und damit nach vorne in die Zukunft zu gehen. Der Rückspiegel im Auto spielt manchmal eine wichtige Rolle (z.B. beim Einparken), aber die meiste Zeit sollte man schon nach vorne schauen, um keinen Crash zu verursachen.
In diesem Sinne,
Christophe Witz